Interview

Livia hat den Triple-Degree

Erfahrungsbericht Duales Studium DHBW Auslandssemester South Korea

Der international ausgerichtete Studiengang wird in drei Sprachen absolviert und führt zu drei Abschlüssen.

Livia Alice Dolle hat International Business Management Trinational studiert und dies gleich an drei Hochschulen: an der DHBW Lörrach, der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW sowie der Université de Haute-Alsace. Und die 26jährige Alumna hat ihre internationalen Erfahrungen mit einem Studienaufenthalt in South Korea ergänzt – ihre umfangreichen Erfahrungen jetzt hier im career21-Interview.

#Studium allgemein
Hallo Livia, was waren denn Deine Gründe für ein DHBW Studium?
Der 3 Monatswechsel zwischen Theorie und Praxis erschien mir bei der Suche nach einem Studium angenehmer als am Wochenende in die Uni zu gehen (gemeint ist das Modell: Mo-Do Arbeit Vollzeit und Fr/Sa in die Uni – duales Studium verschiedener Anbieter, Anm. d. Redaktion). Zudem hatte die DHBW eine große Auswahl an Studienorten und Studiengängen und das hat mich sehr interessiert, mich weiter mit dem Thema DHBW zu beschäftigen.

Dein Studiengang ist sicher außergewöhnlich, warum dieser Studiengang?
Die Internationalität hat mich gereizt – schon im Abi wollte ich unbedingt die „Welt entdecken“ und da ich meinen dualen Partner bei uns in der Heimat schon hatte, fand ich die Aussicht, an drei Unis zu studieren in drei Sprachen mehr als attraktiv.
Den Triple-Degree habe ich erst im nach hinein schätzen gelernt – es ist ein großes Plus bei den Bewerbungen, die Licence (Hochschulabschluss in Frankreich – ist dem deutschen Bachelor gleich zu setzen, Anm. d. Redaktion), den BA (Bachelor of Arts) und den BSc (Bachelor of Science) abgeschlossen zu haben.

Wie bist Du auf das Ausbildungsunternehmen gekommen?
Mein Vater hat selber eine Mechatronikwerkstatt – damals war der Gedanke, in der Automobilbranche zu arbeiten für mich nahe liegend. Ich habe dann gezielt nach dualen Studiengängen geschaut und mich beworben.

Wieviele Bewerbungen hast Du geschrieben?
Ich bin durch mein Amt als Schülersprecherin damals gut vernetzt gewesen und habe meine Bewerbung bei Mubea persönlich eingereicht und es hat für ein Vorstellungsgespräch gereicht – dort habe ich scheinbar genug überzeugt, so dass ich Mubea als Ausbildungspartner an der Seite haben konnte.

Wie wichtig ist Dir das Gehalt während des Studiums gewesen?
Ich hatte immer Unterstützung von zu Hause, weshalb ich nicht alle Kosten damit decken musste. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, damals andere Freiheiten, wie Geschäftsreisen etc., statt mein Gehalt zu verhandeln.

#Auslandssemester
Du hast das 6. Semester als Auslandssemester an der Hankuk University of Foreign Studies in Seoul (South Korea) verbracht – welche Eindrücke und Erfahrungen hast Du aus dieser Zeit mitgenommen?
Wow – immer noch so viele. Es war mir wichtig, damals in ein kulturfremdes Land und auf eine Top 50 Universität in meinem Feld ins Auslandssemester zu gehen. Ich wusste kaum, worauf ich mich einlassen würde und bis heute war es ein Schritt, der mich nachhaltig geprägt hat und mir heute noch Power gibt.

Die Uni-Zeit ist sehr intensiv – da die Kurse inhaltlich sehr gefüllt sind und man viel lernen muss. Das Level an Input variiert stark von Kurs zu Kurs – BWL-technisch war es eine der interessantesten Perspektiven, dass South Korea wirtschaftlich den „global north“ und „global south“ unterscheidet – einen Diskurs zu führen mit einer anderen wirtschaftlichen Perspektive, hat mich nachhaltig bereichert.

Das Land selber ist unfassbar herzlich und offen – mir wurde oft neues angeboten und gezeigt – von Fremden. Zum Beispiel habe ich an einem Straßenstand etwas gekauft und oft hat der Verkäufer mir noch andere Spezialitäten vorgestellt und mit mir geredet. Freundschaften zu schließen, war aufgrund des Workloads schwer – ich habe mich dann allerdings an der Internationalen Studienvertretung eingebracht und das hat mir die Möglichkeiten gegeben, einen Deep Dive in Sachen Leute und Land kennenzulernen.

Korea selber ist so facettenreich – ein Sprung zwischen Tradition und Technik und Seoul, als eine der größten Städte der Welt, hat mir eine ganz andere Welt gezeigt. Fernab von allem was ich kannte.

Was war Deine beste und welches die schlechteste Erfahrung?
Die Beste(n): Nachts mit Soju auf dem Dach unseres Wohnheims geschlichen und die Stadt von oben gesehen. Und den höchsten Berg des Nationalparks bei Sonnenaufgang bestiegen, um einer Bärin mit Cubs zu begegnen – nicht empfehlenswert, aber unvergesslich – und von einem 70jährigen beim Aufstieg überholt zu werden – er kam wieder runter, da waren wir noch nicht oben. Auch unvergesslich: die kostenlosen Sommerfestivals von allen Unis – gratis Festivals mit allen K Pop Stars – das war der Hammer.

Die Schlechteste: Mein Magen musste sich 5 Wochen an das Essen gewöhnen – das war echt hart. Und selbst McDonalds ist kein typisch amerikanisches Essen. Ich bin damals bis ins Diplomaten District gegangen, um Brot zu holen von einem deutschen Bäcker – aber nichts war wie zu Hause. Heute esse ich unfassbar gerne scharf (lacht).

Würdest Du dieses Auslandssemester und die Hochschule Hankuk University of Foreign Studies in Seoul (South Korea) empfehlen?
Ja auf jeden Fall von Herzen – die HUFS ist sehr international (also für South Korea Standard) und Korea ist ein Land, dass man entdecken muss meiner Meinung nach. Es ist so hochentwickelt und hat trotzdem seine eigene Kultur so intensiv weiterentwickelt. Noch wenn ich 80 bin, werde ich meine Erinnerungen an South Korea schätzen.

#Nach dem Studium
Du hast vor fünf Jahren Dein Studium International Business Management Trinational, welches gemeinsam mit der DHBW Lörrach, der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW sowie der Université de Haute-Alsace durchgeführt wird, erfolgreich abgeschlossen und dabei auch drei Abschlüsse erhalten, Bachelor of Arts, Bachelor of Science und Licence de Gestion.

Möchtest Du kurz etwas zu Deiner ersten Arbeitsstelle nach dem Studium erzählen?
Das war tatsächlich die Münchner Bar Szene. Ich wollte ins Consulting – hatte mir aber zum Ziel die TOP 10 der Beratungen gesetzt. Also hieß es 9 Monate kellnern in Bars und dabei bewerben – erst nach der dritten Bewerbung bei meinem jetzigen Arbeitgeber habe ich es ins Assessment geschafft.
Der erste „richtige“ Job danach war mein Job bei ACN, wo mir die Sprachen sowie die dreieinhalb Jahre arbeiten in fünf Ländern natürlich sehr geholfen haben. Auch bei der späteren Gründung meines Unternehmens, hat mir das Studium eine gute Basis gegeben.

Ist der Master für Dich interessant?
Nein, ich habe bewusst keinen „dran gehangen“, da ich erst sehen wollte, wohin ich mich beruflich entwickle, um den Master nochmal als Chance für die Weiterbildung mitzunehmen.

#Location
Du hast in Lörrach, der Schweiz und im benachbarten Frankreich studiert – was bietet diese Vielfalt an Studienorten?
Wandern in den Schweizer Alpen, Sommer in der schönsten Kleinstadt Europas mit günstigem Wein und Sonnenuntergänge auf dem Berg, von dem aus man auf alle drei Länder sieht.
Basel ist eine Kulturmetropole, Lörrach hat sich als DHBW Standort ein sehr aktives Studentenleben gestaltet, welches unfassbar vielfältig ist – Pubcrawls you won’t remember but never forget. Colmar ist idyllisch und ich habe noch nie in meinem Leben so viel Wein und Uni Unterlagen gleichzeitig konsumiert. Der Wechsel war anstrengend vor Ort, aber uns als „Klasse“ hat das eher zusammengeschweißt.

Gab es interessante Freizeitmöglichkeiten?
Ja! Ich habe mich damals für den Halbmarathon vorbereitet und konnte die wunderschöne Natur des Dreiländer Ecks entdecken. Basel hat ein großes Kulturangebot ob Tag oder Nacht und im Winter ist die Nähe in die Schweiz und zum Schwarzwald für mich sehr attraktiv gewesen.

Wie war die Wohnsituation?
Teuer – durch die hohe Lebensqualität und den Wirtschaftsstandort Basel war das Angebot leider rar, aber machbar. Dadurch, dass gerade die Anbieter von Ferienwohnungen wissen, dass wir Trinats nur drei Monate bleiben, haben wir oft allein dadurch Unterkünfte gefunden.

Was machte man abends in den jeweiligen Studienorten?
Durch das duale Studium hatte man oft ein wenig „Taschengeld“, was in die lokale Gastroszene investiert wurde. Ich hatte trotz dem „dualen“ Vorurteil ein Studentenleben, wie es das Klischee gern zeichnet. Die Uni hat uns klar strukturiert, wenn man am Ball blieb, hatte man abends immer Zeit für Freunde oder den Uni Sport – und der hat sich bei mir auf das Werfen eines Ping Pong Balls in Becher beschränkt (lacht).

#Alltag Theorie und Praxis
Wie sah ein Tag in der Praxis aus?
Mein Alltag bei Mubea gab es kaum. Die drei Monate im Wechsel durfte ich in unterschied­lichen Abteilungen verbringen und mit diesen vor der Hintergrundfrage der quantitativen Messung der Unternehmenskultur zusammenarbeiten. Für diese Zusammenarbeit habe ich Einblicke in Mubea Attendorn, Mubea/Carbo Tech Salzburg, Mubea Süd Korea und Mubea North America bekommen. Die Reise zu den unterschiedlichen Standorten und die internen „Praktika“, die ich absolvieren konnte, haben mich sehr berreichert.
Paralell habe ich meine Untersuchung für Uni und Unternehmen fortgeführt und so direkt von Theorie in Praxis „übersetzen“ können. Es gab wenig Routine, aber sehr viele prägende Learnings von Uni zu Beruf!

Wie sah ein Tag in der Theorie aus?
8 Uhr bis 12:30 Uhr Uni.
Mittagspause: in Frankreich zwei Stunden lang – das war oft echt eine anstrengende Unterbrechung und man war froh, wenn sie vorbei war.
Bis 16 oder maximal 18 Uhr Uni: Vorlesungen an der Uni mit klassischen Mitschriften, Gruppenarbeit war am Wochenende angesagt.
Danach heimgehen, etwas essen und dann ging der Abend los. Wir hatten ein Klassensystem mit Stundenplan, also war der Tag strukturiert. Die Mittagspausen wurden von den meisten als Arbeitszeit mit der Gruppe oder Hausarbeiten genutzt.

Wie reagierten Deine Kolleginnen und Kollegen auf Dein Studienfach?
Bis heute ist es etwas, wo gerne nachgefragt wird. Damals gab es nur knapp 400 Leute mit dem Abschluss (Triple Degree) – und das sorgt bis heute für Aufsehen.

Fühltest Du Dich mehr als Studentin oder als Arbeitnehmerin?
Durch den dreimonatigen Wechsel hat das sich das stets geändert – man kam als Studentin in die Arbeit und ging dann als Arbeitnehmerin in die Uni.

Was, glaubst Du, unterscheidet ein duales Studium zentral von einem an Uni oder Hochschule?
Der Input ist hoch und man muss sehr sorgfältig sein mit seiner Zeit, aber man kann BWL sehr gut durch die direkte Anwendung im Unternehmen verstehen. Und die Hausarbeiten werden interessanter, wenn es um konkrete Lösungen von Problemen geht.
Im Job später hat man einfach einen riesen Vorteil meiner Meinung nach, da man die Struktu­ren kennengelernt hat und erste Themen bearbeitet hat, sowie Verantwortung übernehmen konnte/musste/durfte im Unternehmen. Heute habe ich selber eine Agentur und ohne mein Studium hätte ich diesen Schritt niemals gehen können.

Was war arbeitsintensiver – Theorie- oder Praxisphase?
Theorie – da man immer für drei Unis leisten musste. Auch wenn eine Struktur da war, ab dem 3. Semester wurde es echt richtig hart. Da war morgens der Gang ins Büro eine gute Erholung – wobei das mit Beginn der Bachelor Arbeiten auch vorbei war.
Alles in allem lohnt sich aber der Aufwand für die dreieinhalb Jahre sehr. Man sieht unfassbar viel, lernt richtig viel und nach sieben Semestern habe ich mich wirklich bereit gefühlt, ins Arbeitsleben zu starten.

Livia wir bedanken uns für das Interview und wünschen Dir weiterhin alles Gute!

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