Interview

Unser Anruf in Kourou

Erfahrungsbericht Duales Studium Kourou DHBW

Tim Lefevre – In der Praxisphase Raketentechniker an der Ariane

Der Mechatronik Trinational-Student der DHBW Lörrach arbeitet zur Zeit in Französisch-Guayana. Als wir mit Tim* telefonieren, ist er rund 8.000 Kilometer weit weg von Deutschland – in Kourou. Dort arbeitet er im Rahmen einer Praxisphase seines Dualen Studiums als Techniker im Wartungsteam für die europäische Trägerrakete Ariane 5. Tim hat uns über seinen Alltag im Weltraumbahnhof an der Atlantikküste erzählt.

Hi Tim, wie ist das Wetter heute am Nordzipfel Südamerikas?
Tim: Hallo nach Lörrach. Ich will ja niemanden neidisch machen, aber es ist, wie es ist: karibisch warm, sonnig, blauer Himmel – so wie in etlichen Werbespots.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Dich aus?
Tim: Wir sind als Team für die Wartung und Instandhaltung der Ariane 5 zuständig. Weil wir kurz vor einem Start stehen, sind viele Arbeitsgänge bereits erledigt. Der Satellit wurde schon aufgesetzt.

Wie muss man sich das vorstellen – arbeitet ihr mit weißen Handschuhen?
Tim: Mitunter ja, kein Witz. Im Vergleich zu meiner Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, die ich vor meinem Dualen Studium in einer freien Werkstatt gemacht habe, arbeiten wir hier partiell in Reinräumen. Unser Ziel ist es, bei den Arbeiten immer ein Null-Fehler-Ergebnis zu erreichen. Entsprechend ist der Umfang bemessen. Es wird genug Zeit kalkuliert. Zeitdruck soll vermieden werden.

Was machst Du, wenn Du nicht an der Rakete schraubst?
Tim: Es gibt hier viel zu tun. In der Freizeit ist das eine Art tropischer Urlaub. Kite-Surfen, raus fahren auf die vorgelagerten Inseln zum Schnorcheln, abends mit den Kollegen ein Bierchen schlürfen. So richtig viel Tourismus ist hier aber nicht. Es gibt kaum Nachtleben mit Bars oder Clubs.

Hast Du von Deinem Studium an der DHBW bzw. aus Deiner Praxiserfahrung schon etwas anwenden können?
Tim: Die sprachliche Orientierung in meinem trinationalen Studium hat mir sehr geholfen. Denn hier ist fast alles auf Französisch, mit Englisch geht fast nichts. Auch wenn die Art und Weise, wie man arbeitet, stark abweicht. Beim Werkzeug gibt es immer Parallelen. Ein Schraubendreher bleibt ein Schraubendreher, egal ob Auto oder Rakete.

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*Namen von der Redaktion geändert

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